Energiesparhaus mit Gas? Anforderung ab 2009?

Hier geht es um den verbrauchsorientierten / bedarfsorientierten Energieausweis (Energiepaß) – Kosten, Formulare, Energieeinsparverordnung (EnEV), usw.
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sdesch
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Energiesparhaus mit Gas? Anforderung ab 2009?

Beitrag von sdesch » 16.08.2008, 10:33

Hallo Miteinander.
Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Berechnung von Energieausweisen.
Der Heizwärmebedarf lässt sich ziemlich gut mit den Stellschrauben Wärmedämmung und Wärmebrücken in den Griff bekommen. D.h. die spezifischen Transmissionswärmeverluste individuell verringern.
Die Nebenanforderung der EnEV ist somit "leicht" erreichbar.

Bei der Hauptanforderung kommt nun eine Schwierigkeit auf:
Der Primärenergiebedarf hängt nun mal hauptsächlich von der Anlagenaufwandszahl des Heizsystems an. Je ökoligischer/ökonomischer, desto geringer ist diese.
Fossile Brennstoffe (mit Brennwerttechnik) haben Werte größer 1, erneuerbare kleiner 1.
Dieser "entscheidende" Punkt müsste doch der Heizöl- bzw Heizgaslobby Kopfschmerzen bereiten, wenn dadurch deren Energieträger den Primärenergiebedarf stark in die Höhe treibt und somit gewisse Anforderungen an Höchstwerte nur schwierig erreicht werden können. :?

An einem Beispiel wollte ich ein bestehendes Gebäude sanieren: Baujahr 1970, Heizung wurde 2000 erneuert (Gas-Brennwert mit solarer Trinkwasserunterstützung). Ziel: Energiesparhaus (KfW 60 oder 40)
Die thermische Hülle zu ertüchtigen ist keine Hexerei, die Nebenanforderung dazu ist leicht erfüllt.
Vielmehr macht die Hauptanforderung, eben der Primärenergiebedarf Probleme, da die Anlagenaufwandszahl von ca. 1,1 einfach zo hoch ist, um die Maximalwerte einzuhalten.

Der Heizenergiebedarf ist (bei einer Probe-Variante) ca. 70 kWh/m²a. Deshalb kann eigentlich nur eine Anlagenaufwandszahl kleiner 1 den Primärenergiebedarf entsprechend drücken.
Und eine "Überdimensionierung" der Wärmedämmung, damit mit Müh und Not der Primärenergiebedarf trotzdem so weit runtergredrückt werden kann, finde ich für unwirtschaftlich.

Meine Frage nun: ist ein Energiesparhaus mit Gas-Brennwert eigentlich möglich/realistisch, wenn noch der Großteil der Immobilien auf diese Weise beheizt werden?
Und wie sollen nun die Immobilien zukünftig einen Energieausweis bekommen, wenn die geplante EnEV 2009 den Energiespar-Standard als EnEV-Standard ausweist?

Ich sehe da nur den einzigen Ausweg, auf erneuerbare Energie umzusteigen, wodurch die Gas-/Öllobby zu grunde geht. Das kann es doch nicht sein oder? :?

Päule
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Gas- und Ölbranche

Beitrag von Päule » 19.08.2008, 00:11

Hallo,

meines Wissens gilt die EnEV zunächst nur für neu gebaute Häuser. Für die älteren gelten doch sowieso andere Bedingungen, oder bin ich da so fehl informiert? Die älteren Gebäude kommen doch erst nach und nach dazu und brauchen daher auch erst später die Energieausweise.

Außerdem kann es sich doch kaum jemand leisten, einfach mal so die Heizungsanlage auszutauschen, obwohl sie noch voll funktionstüchtig ist. Als ich könnte es jedenfalls nicht. Ich bin froh, dass ich es schaffe, mein Haus schön jeden Monat abzubezahlen. Und so gehts vielen anderen auch. Es kann also nicht die Intention der Verordnung sein, alle Häuslebauer und -käufer in den Ruin zu treiben. Und der Öl- und Gasbranche wird man sowieso nicht zu nahe treten, davon bin ich überzeugt.

Gruß
Päule

Gertrud
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Heizungsanlage erneuern

Beitrag von Gertrud » 27.08.2008, 18:19

Hallo,

ich denke auch, dass es nicht realistisch ist, alle Häuslebauer nun verdonnern zu wollen, ihre Heizungsanlagen auszutauschen. Dann würde es wohl doch mal irgendwann eine Rebellion geben. Wie man das denn leisten. Gerne wird die KfW mit billigen Krediten angepriesen. Aber was macht jemand, der es gerade noch geschafft hat, seine Immobilienfinanzierung auf die Reihe zu bekommen und damit seine monatliche finanzielle Belastbarkeit ausgereizt hat. So etwas ist kein Einzelfall. Viele haben ihre Häuser aufgrund der niedrigen Zinssätze in den letzten Jahren so finanziert, dass in der Anfangszeit viel getilgt wird. Da kann man sich nicht einfach mal eben ne Heizung leisten und auch nicht die Rückzahlung eines KfW-Darlehens.

Ich bin bestimmt ein Freund des Umweltschutzes, aber ich denke auch sozial und ich finde es schade, wenn sich das, so wie es in letzter Zeit immer wieder vorkommt, nun widersprechen muss.

LG
Gertrud

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